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Flexodruck

Farbe & Druck

Flexodruck – Druckverfahren, Funktionsweise und Einsatz beim Bedrucken von Klebeband

Der Flexodruck (auch: Flexografie, Flexografiedruck; engl. flexographic printing) ist ein direktes Hochdruckverfahren aus der Gruppe der Rollenrotationsdruckverfahren. Er arbeitet mit flexiblen Druckplatten – sogenannten Klischees aus Fotopolymer oder Gummi – und niedrigviskosen Druckfarben. Die erhabenen Stellen der Druckform übertragen die Farbe direkt auf den Bedruckstoff. Der Flexodruck ist weltweit das führende Druckverfahren für Verpackungen, Etiketten und insbesondere für bedrucktes Klebeband.
Steckbrief · Flexodruck
DefinitionDirektes Hochdruckverfahren mit flexiblen Druckplatten (Rollenrotation)
SynonymeFlexografie, Flexografiedruck, ehem. Anilindruck; engl. Flexo, Flexographic Printing
DruckprinzipHochdruck – erhabene Stellen der Druckform übertragen die Farbe
DruckformKlischee (Fotopolymerplatte) oder Sleeve (lasergravierbarer Gummizylinder)
FarbübertragungRasterwalze (Aniloxwalze) → Klischee → Bedruckstoff
Typische DruckfarbenWasserbasiert, lösemittelbasiert oder UV-härtend
FarbsystemePantone (PMS), HKS, RAL (Sonderfarben); CMYK (Prozessfarben)
BedruckstoffePP-Folie, PVC-Folie, Papier, Wellpappe, Verbundfolien, Aluminium
DruckgeschwindigkeitBis zu mehrere hundert Meter pro Minute
Wirtschaftlich abCa. 500–1.000 Stück (bei Klebeband: ab ca. 36–72 Rollen je nach Anbieter)
EinführungCa. 1890 als Anilindruck; 1950er Umbenennung in Flexografie; 1970er Fotopolymer-Revolution

Geschichte und Entwicklung des Flexodrucks

Die Ursprünge des Flexodrucks reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Um 1890 wurde in England erstmals ein Druckverfahren für flexible Materialien wie Zellophan entwickelt. Die frühen Druckfarben basierten auf Anilin – einem organischen Farbstoff – weshalb das Verfahren zunächst als Anilindruck bezeichnet wurde.

In den 1950er-Jahren wurde der Begriff aufgrund der negativen Assoziation mit den gesundheitsbedenklichen Anilinfarben durch den neutralen Namen Flexografie ersetzt. Der entscheidende technologische Durchbruch kam in den 1970er-Jahren mit der Einführung der Fotopolymerplatten, die erstmals die Reproduktion feiner Linien, kleiner Schriftgrößen und komplexer Motive ermöglichten.

Die 1990er-Jahre brachten weitere Innovationen: die Sleeve-Technologie für nahtlose Endlosdrucke, wasserbasierte Druckfarben als umweltfreundlichere Alternative, lasergravierte Klischees für höchste Präzision und computergesteuerte Farbwerke für automatisierte Qualitätskontrolle. Heute ist der Flexodruck das Rückgrat der weltweiten Verpackungsindustrie.

Wie funktioniert der Flexodruck? Der technische Prozess

Der Flexodruck-Prozess gliedert sich in fünf Hauptschritte – von der Druckdatenvorbereitung bis zur fertigen Klebebandrolle:

Grafik: Flexodruck-Prozess – Vom Druckdaten-Upload bis zur konfektionierten Rolle (schematisch)
Alt-Tag: Flexodruck Prozess Ablauf Druckdaten Klischee Druckmaschine Konfektionierung

1. Druckdatenvorbereitung

Die Druckdatei muss als Vektorgrafik (PDF, AI, EPS) vorliegen, um verlustfreie Skalierbarkeit zu gewährleisten. Geprüft werden Auflösung, Farbmodus (CMYK oder Sonderfarben nach Pantone/HKS/RAL), Schrifteinbettung und Beschnittzugaben. Pixelbasierte Formate (JPG, PNG) sind möglich, sollten aber mindestens 300 dpi Auflösung haben.

2. Herstellung der Druckform (Klischee)

Die Flexodruckplatte ist das Herzstück des Verfahrens. Zwei Herstellungswege sind üblich:

Fotopolymer-Verfahren: Eine lichtempfindliche Platte wird durch einen Negativfilm mit UV-Licht belichtet. Die belichteten Bereiche härten aus, die unbelichteten werden ausgewaschen. Nach Trocknung und Nachhärtung wird das fertige Klischee auf den Druckzylinder montiert.

Lasergravur: Ein computergesteuerter Laser graviert das Druckmotiv direkt in eine Gummiplatte oder einen Sleeve-Zylinder. Dieses Verfahren bietet höchste Präzision und ermöglicht nahtlose Endlosdrucke.

Die Klischeekosten fallen einmalig bei der Erstbestellung an. Bei Nachbestellungen desselben Motivs werden die vorhandenen Druckformen wiederverwendet.

3. Aufbau der Flexodruckmaschine

Eine Flexodruckmaschine besteht pro Druckwerk aus vier Kernkomponenten:

KomponenteFunktion
Farbwerk (Kammerrakel)Dosiert und verteilt die Druckfarbe in der Farbkammer
Rasterwalze (Aniloxwalze)Nimmt eine exakt definierte Farbmenge in gravierten Näpfchen auf und überträgt sie auf das Klischee
Druckzylinder (Formatzylinder)Trägt die montierte Druckform (Klischee oder Sleeve)
GegendruckzylinderFührt den Bedruckstoff (Folie, Papier) durch die Druckzone und erzeugt den nötigen Anpressdruck

Für jede Druckfarbe wird ein separates Druckwerk benötigt. Moderne Flexodruckmaschinen verfügen über vier bis zehn Druckwerke für Mehrfarbdrucke. Nach dem Farbauftrag wird die Farbe sofort getrocknet – durch UV-Strahlung oder Heißluft.

4. Der Druckvorgang

Das Trägermaterial – etwa BOPP-Folie, PVC-Folie oder Papier – läuft als kontinuierliche Bahn von einer Abwicklung durch die Druckmaschine. Die Rasterwalze überträgt Farbe auf das rotierende Klischee, das Klischee drückt das Motiv auf den laufenden Bedruckstoff. Bei Mehrfarbdrucken durchläuft die Bahn nacheinander mehrere Druckwerke. Die präzise Druckwiederholung – der Rapport – sorgt für ein gleichmäßiges Druckbild über die gesamte Rollenlänge.

5. Konfektionierung

Die bedruckte Jumbo-Rolle (Mutterrolle) wird auf einer Schneidmaschine (Slitter) in die gewünschten Rollenbreiten und Rollenlängen geschnitten. Das fertige Klebeband wird auf Kerne mit dem Standardinnendurchmesser von 76 mm (3 Zoll) gewickelt und verpackt.

Druckfarben im Flexodruck

Im Flexodruck kommen drei Farbsysteme zum Einsatz, die sich in Zusammensetzung, Trocknung und Eignung unterscheiden:

FarbtypBasisTrocknungEignungVorteile
WasserbasiertWässrige DispersionVerdunstung (Heißluft)Papier, saugfähige UntergründeUmweltfreundlich, geruchsarm, niedriger VOC-Gehalt
LösemittelbasiertOrganische LösemittelVerdunstungPP-Folie, PVC-Folie (nicht-saugend)Hohe Haftung, intensive Farbbrillanz, feuchtigkeitsbeständig
UV-härtendFotoinitiatoren + MonomereSofortige Härtung durch UV-LichtAlle BedruckstoffeKeine Emissionen, hohe Kratz-/Abriebfestigkeit, brillante Farben

Für die exakte Farbwiedergabe werden standardisierte Farbsysteme eingesetzt: Pantone (PMS) als Industriestandard für Sonderfarben liefert exakte, reproduzierbare Farbtöne – ideal für Logos und Corporate-Design-Farben. CMYK (Cyan, Magenta, Yellow, Key/Schwarz) ermöglicht als Vierfarbdruck fotorealistische Motive, ist aber bei der Farbgenauigkeit einzelner Töne weniger präzise als Pantone.

Bedruckstoffe: Klebebandmaterialien im Flexodruck

MaterialFoliendicke (Träger)Gesamtstärke (mit Kleber)Klebstoff (typisch)Druckeignung
PP-Klebeband28–35 µm45–50 µmHotmelt oder AcrylatSehr gut; Coronabehandlung der BOPP-Folie nötig
PVC-Klebeband30–35 µmca. 53 µmNaturkautschukExzellent; hohe Farbbrillanz und Farbhaftung
Papierklebeband90–135 µmNaturkautschuk oder AcrylatSehr gut; saugfähiges Material nimmt Farbe optimal auf

PP-Klebeband ist das volumenstärkste Material für bedrucktes Verpackungsklebeband. PVC-Klebeband gilt als Premium-Variante mit höherer Klebkraft und leiserem Abrollgeräusch. Papierklebeband ist die nachhaltige Alternative – 100 % recycelbar und zusammen mit dem Karton entsorgbar.

Oberflächendruck, Konterdruck und Sleeves

Beim Bedrucken von Klebeband werden drei Druckverfahren unterschieden:

VerfahrenBeschreibungVorteileNachteile
OberflächendruckDruck auf die Außenseite der TrägerfolieGeringe Mindestmengen (ab 36 Rollen), schnelle LieferzeitDruckbild nicht abriebfest, Farbabweichungen bei eingefärbten Bändern möglich
Konterdruck (Sandwichdruck)Druck auf die Innenseite der Folie; Klebstoff wird über das Druckbild aufgetragenAbsolut abriebfest, brillantere Farben, leiseres AbrollenHöhere Mindestmengen (ab 360–540 Rollen), längere Lieferzeit, bei PVC technisch nicht möglich
Sleeve-Druck (Endlosdruck)Nahtlose Druckhülse statt flacher KlischeeplatteKein Rapportansatz („Blitzer“), ideal für Negativdrucke und vollflächige MotiveHöhere Klischeekosten als Fotopolymerplatten

Flexodruck im Vergleich: Tiefdruck, Digitaldruck und Siebdruck

MerkmalFlexodruckTiefdruckDigitaldruckSiebdruck
DruckprinzipHochdruck (erhabene Elemente)Tiefdruck (vertiefte Näpfchen)Direkt (Toner/Tinte, keine Form)Durchdruck (Farbpressung durch Sieb)
DruckformKlischee / SleeveGravierter MetallzylinderKeineSiebschablone
EinrichtungskostenModerat (Klischeekosten)Hoch (Zylinderkosten)KeineNiedrig bis moderat
Wirtschaftlich abMittlere AuflagenNur GroßauflagenKleinauflagen / EinzelstückeKlein- bis Mittelauflagen
DruckgeschwindigkeitSehr hochSehr hochModeratNiedrig bis moderat
DruckqualitätSehr gutExzellentGut bis sehr gutModerat (dicker Farbauftrag)
FarbsystemPantone / CMYKPantone / CMYKCMYKPantone / Sonder
Typischer EinsatzKlebeband, Verpackung, EtikettenHochauflagen-Verpackung, ZeitschriftenPrototypen, KleinserienTextil, Werbemittel, Schilder

Anwendungsgebiete des Flexodrucks

Bedrucktes Klebeband: Der Flexodruck ist das einzige Druckverfahren, das für die industrielle Bedruckung von Klebebandrollen eingesetzt wird. Ob 1-farbiger Logodruck auf PP-Band oder mehrfarbiger CMYK-Druck auf PVC – Flexografie liefert die Kombination aus Geschwindigkeit, Qualität und Kosteneffizienz, die für die Klebebandproduktion erforderlich ist.

Verpackungsindustrie: Wellpappen-Verpackungen, flexible Verpackungen (Beutel, Folien, Flowpacks), Getränkekartons und Tragetaschen werden mehrheitlich im Flexodruck bedruckt.

Etiketten: Selbstklebende Produkt-, Barcode- und Lebensmitteletiketten werden häufig im Flexodruck hergestellt – die Kombination aus hoher Auflösung und schneller Produktion macht das Verfahren ideal.

Zeitungsdruck: Zahlreiche Tageszeitungen werden auf Flexo-Rollendruckmaschinen produziert. Der geringe Farbabrieb wasserbasierter Flexofarben (keine Druckerschwärze an den Fingern) ist hier ein entscheidender Vorteil.

Spezialanwendungen: Tapeten, Geschenkpapier, Servietten, Hygienepapiere und technische Klebebänder.

Qualitätskriterien im Flexodruck

Die Druckqualität im Flexodruck wird anhand mehrerer Kriterien bewertet:

KriteriumBeschreibungEinflussfaktor
KonturenschärfeScharfe Linien und klare Ränder ohne QuetschungenPressung zwischen Druck- und Gegendruckzylinder, Plattenhärte
FarbdeckungGleichmäßige Einfärbung ohne WolkigkeitRasterwalzen-Spezifikation, Farbviskosität
RapportgenauigkeitPräzise Druckwiederholung über die gesamte RollenlängeRegistersteuerung, Bahnspannung
FarbtreueÜbereinstimmung mit der Pantone-Vorgabe oder dem ProofFarbrezeptur, Rasterwalze, Bedruckstoff
AbriebfestigkeitWiderstand des Druckbilds gegen mechanische BeanspruchungFarbtyp (UV > Lösemittel > Wasser), Druckverfahren (Konterdruck > Oberflächendruck)
UV-BeständigkeitKein Ausbleichen bei SonneneinstrahlungPigmentauswahl, UV-Stabilisatoren

Nachhaltigkeit im Flexodruck

Der Flexodruck gilt als eines der umweltfreundlicheren Druckverfahren. Wasserbasierte Druckfarben mit niedrigem VOC-Gehalt (flüchtige organische Verbindungen) reduzieren Emissionen gegenüber lösemittelbasierten Systemen erheblich. LED-UV-Trocknung verbraucht deutlich weniger Energie als konventionelle UV-Lampen und ermöglicht zusätzliche Wärmerückgewinnung.

Druckplatten aus Fotopolymer sind recyclebar. Der Materialabfall ist durch präzise Prozesssteuerung gering. Bedrucktes Papierklebeband ist vollständig recycelbar und kann zusammen mit dem Karton über die Papiertonne entsorgt werden – ein Vorteil gegenüber bedrucktem PP- oder PVC-Klebeband in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft.

Häufig gestellte Fragen zum Flexodruck

Der Flexodruck ist ein direktes Hochdruckverfahren, das mit flexiblen Druckplatten (Klischees) aus Fotopolymer oder Gummi arbeitet. Die erhabenen Stellen der Druckform übertragen die Farbe über eine Rasterwalze auf den Bedruckstoff. Der Flexodruck ist das Standardverfahren für die Bedruckung von Klebeband, Verpackungen und Etiketten.
Flexodruckplatten bestehen entweder aus UV-empfindlichem Fotopolymer (durch Belichtung und Auswaschen hergestellt) oder aus lasergravierbarem Gummi (per Laserdirektgravur bearbeitet). Fotopolymerplatten sind als flache Klischees weit verbreitet, während Gummi vor allem bei nahtlosen Sleeves zum Einsatz kommt.
Standardmäßig werden ein bis drei Sonderfarben (z. B. Pantone) gedruckt – pro Farbe ein separates Druckwerk. Für fotorealistische Motive kommt CMYK-Vierfarbdruck zum Einsatz. Moderne Maschinen verfügen über bis zu zehn Druckwerke.
Pantone-Farben (PMS) sind vordefinierte Sonderfarben, die als fertige Farbmischung gedruckt werden – exakt reproduzierbar, ideal für Logos und Corporate-Farben. CMYK ist der Vierfarbdruck aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz, der Farbtöne durch Rasterung simuliert – geeignet für Fotos und komplexe Grafiken, aber weniger farbtreu bei Einzeltönen.
Ideal sind Vektorgrafiken in den Formaten PDF (druckfähig), AI (Adobe Illustrator) oder EPS. Schriften sollten in Pfade umgewandelt sein. Pixelbasierte Formate (JPG, PNG) sind möglich, benötigen aber mindestens 300 dpi Auflösung.
Die Kosten setzen sich zusammen aus einmaligen Klischeekosten (abhängig von Motivkomplexität und Farbanzahl), Materialkosten (abhängig von PP, PVC oder Papier) und Druckkosten (abhängig von Auflage). Die Klischeekosten fallen nur einmalig an – bei Nachbestellungen desselben Motivs entfallen sie.
Nach Druckfreigabe beträgt die Produktionszeit typischerweise 5–10 Werktage. Die Herstellung der Druckformen (Klischees) benötigt zusätzlich 1–2 Werktage. Bei Nachbestellungen mit vorhandenen Klischees kann die Lieferzeit kürzer ausfallen.
Beim Oberflächendruck wird die Außenseite der Folie bedruckt – schnell und ab kleinen Mengen möglich, aber das Druckbild ist nicht abriebfest. Beim Konterdruck (Sandwichdruck) wird die Innenseite bedruckt und der Klebstoff darüber aufgetragen – das Druckbild liegt geschützt zwischen Folie und Kleber und ist absolut abriebfest.

Verwandte Lexikon-Begriffe

Quellen und weiterführende Literatur
  • Karl-Heinz Meyer (Hrsg.): Technik des Flexodrucks. In Zusammenarbeit mit DFTA. 5. Auflage, Rek & Thomas Medien, St. Gallen 2006.
  • Helmut Kipphan (Hrsg.): Handbuch der Printmedien. Springer, Berlin 2000.
  • DFTA – Deutschsprachige Flexodruck-Fachgruppe e.V. (dfta.de)
  • AFERA – Association des Fabricants Européens de Rubans Auto-Adhésifs: Technische Standards.
 
Dieser Lexikon-Eintrag wurde von der Tapemonster-Redaktion erstellt. Ziel dieses Fachlexikons ist die umfassendste deutschsprachige Wissenssammlung rund um Klebeband und Verpackung. Letzte Aktualisierung: März 2026.

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